TEST: Canyon Commuter 8.0

Auch Canyon steigt ins Geschäft der Urban/ Pendler Bikes ein. Nach den bekannten Rennrad und Mountainbike Serien ergänzt eine Reihe von fein designten Stadträdern von ca. 600 € bis 2.200 € das Produktportfolio des Koblenzer Direktversenders. Hier ein Test des Commuter 8.0, der unfreiwillig auch zum Test des Kundenservices wurde – aber lest gerne selbst.

Ausstattung & Fahren

Wow, was für ein Bike! Rahmenform, Beleuchtung und Schutzbleche – volle Integration beschreibt das Canyon Commuter 8.0 wohl am besten. Mich hat vor allem das fortschrittliche Design und die komplette Ausstattung zum Kauf bewogen. Leider beschränkte sich die Nutzung nur auf wenige Wochen. Welche Gründe das hat, davon soll hier nun berichtet werden.

Die Commuter Baureihe bringt alles mit, was der Pendler benötigt: gutes Licht, stabile Schutzbleche, wartungsarmer Antriebsstrang. Im Falle des Topmodells 8.0 für 2.199 € kommen an Front und Heck LED-Lichter von Supernova zum Einsatz. Vorne gibt’s einen homogenen und sehr hellen Lichtkegel, dessen Effekt querendem Verkehr verborgen bleibt: Die seitliche Sichtbarkeit bei Nacht ist unausreichend. Der Nabendynamo von SON baut sehr kompakt und leitet den Strom ohne Kabel direkt von Achse zu Gabel. Das erleichtert den Ausbau des Vorderrads und verhindert Korrosion an Steckerkontakten. Die metallenen Schutzbleche weisen nicht nur verlässlich Wasser ab, sie stützen sogar den schlanken Gepäckträger. In änlicher Form kommt dies beim Ghost Square Urban X zum Einsatz. Leider ist nach ca. 50 km bereits eine der Befestigungsschrauben abgefallen, evtl. hat der Schraubensicherungslack gefehlt. Zudem trat nach wenigen Wochen Korrosion an Schrauben auf – das ist am falschen Ende gespart. Antriebsseitig läuft das Commuter mit einem flüsterleisen Carbonriemen und der Shimano Alfine 11-Gang. Im Vergleich zur 8-Gang Alfine bietet sie eine deutlich feinere Abstufung bei gleichzeitig größerer Spreizung. Damit kommt man selbst die steilen Anstiege hoch. Die bei Urbanbikes exotische Laufradgröße 27.5“ macht das Rad leicht und wendig, ohne es nervös werden zu lassen. Wer im Winter auf Spikereifen umrüsten möchte, wird jedoch weniger Wahlmöglichkeiten beim Reifenkauf haben, als bei gewöhnlichen 28“-Laufrädern. Das Bike fährt sich geradeaus souverän und legt sich ebenso gern in die Kurve. Nur im Wiegetritt macht sich der kurze Vorbau und die spezielle Steuerlagerkonstruktion durch etwas Unruhe bemerkbar. Erwähnenswert sind die Schlösser für Laufräder und die Sattelstütze: nur wenn das Rad um 180° gedreht wird, lassen sich die kleinen aber wirkungsvollen Sicherungen mit einem Imbus öffnen. Der erstmalige Einbau ist etwas fummelig, mit etwas Feingefühl ist es aber gut machbar. Somit genügt es das Rad am Rahmen abzuschließen und dennoch Sicherheit für alle Komponenten zu haben.

 

Service & Kundenbetreuung

Das Rad erreichte mich leider mit einem Transportschaden am Lenker. Für Lackabplatzer und das verformte Lenkerrohr bot Canyon eine Reparatur oder 100 € Kompensation an – fair enough. Neben der Korrosion und der verlorenen Schraube am Schutzblech, entstand ein durchgescheuerter Schrumpfschlauch am integrierten Vorbau, also dort wo es konstruktionsbedingt eng für Schaltzug, Strom-  und Bremskabel wird. Die Abdeckung des Oberrohrs scheuerte bei jeder Lenkbewegung über die Hülsen. Ich entschied mich das Rad wieder zu demontieren und an Canyon zurückzuschicken, um alles in einem Aufwasch beheben zu lassen (Mitte August 2017). Im weiteren Verlauf machte sich die schleppende Kommunikation mit Canyon offenbar. Antworten müssen mehrmals eingefordert werden; die Bearbeitungszeit für meine erste Mail zum Transportschaden betrug 27 Tage. Fünf Versuche beim Online-Chat blieben ohne Antwort. Zu unterschiedlichen Tageszeiten testete ich die Hotline – nach 15 Minuten Warteschleife flog ich jeweils aus der Leitung. Für den Kunden fühlt sich das nach Überforderung und Unwillen seitens Canyon an, eine schnelle Lösung zu erreichen. Über einen Monat später kam (auf Rückfrage) das Angebot das Rad zurückzukaufen oder sich ein neues Commuter zu bestellen, Reparatur stand gar nicht mehr zur Auswahl. Selbst hatte ich eine Rückabwicklung gar nicht in Betracht gezogen, doch je länger ich um Antworten und Taten betteln musste, desto klarer wollte ich mich von der Firma Canyon distanzieren. Nach insgesamt über zwei Monaten ohne Pendlerrad ist der Rückkauf nun abgeschlossen (Ende Oktober 2017).

Fazit

Das Learning für mich ist die Abkehr vom Direktversandkauf, der sich die guten und preiswerten Produkte mit mangelhaftem Service zu erkaufen scheint. Ein persönlicher Ansprechpartner vor Ort mit schnellen Reaktions- und Bearbeitungszeiten ist mein Wunsch für das nächste Rad. Das Commuter 8.0 besticht durch sein elegantes Erscheinungsbild und die wartungsarme, zuverlässige Antriebseinheit. Kleinere Auffälligkeiten bei Verkabelung und Materialwahl könnten durch Modellmaßnahmen behoben werden. Kurzum:

– schlechte seitliche Sichtbarkeit des Frontlichts
– Mängel im Aufbau ab Werk
– Korrosion an Schrauben des Schutzblechs

+ breite Pedale mit Trittsicherheit
+ geniale kabellose Verbindung zwischen Nabendynamo und Gabel
+ wunderschöne Vollintegration von Kabel, Beleuchtung und Schaltung

7 Gedanken zu “TEST: Canyon Commuter 8.0

  1. Hallo, meinen Commuter fahre ich jetzt seit 5 Jahren, war denke ich einer der ersten (es gab damals nur eine Ausstattung). Die meisten Kritikpunkte kann ich nicht bestätigen. Das Rad ist bei mir jeden Tag Sommer und Winter 22km im Einsatz. Ich habe noch den ersten Riemen und sonst auch wenig Probleme mit Verschleiß. Am Gepäckträger habe ich eine Ortlieb Tasche, die manchmal bestimmt fast 10kg wiegt ohne dass das Schutzblech schleift. Was mich an dem Fahrrad wirklich stört sind die Shimano Bremsen. Eigentlich wollte ich das Fahrrad deswegen schon garnicht kaufen und jetzt bestätig es sich. Nachdem die Bremsen eigentlich nie wirklich gut waren hab ich seit Monaten nun kaum noch Bremswirkung. Nach Wechsel der Bremsbeläge und Reinigung ging es immer wieder für ein paar Tage. Habe festgestellt, dass beide Bremssättel Bremsflüssigkeit verlieren und die Bremsen dann nur noch quietschen. Jetzt habe ich getan was ich schon lange hätte tun sollen und mir Magura Bremsen bestellt. Allerdings ist der Einbau eine Herausforderung, so schön die im Rahmen verlegten Leitungen sind so schlecht sind sie zu tauschen. Dabei habe ich jetzt Schrauben, welche Fest sind und die Lenkerrohre lassen sich nicht mehr abbauen. Streusalz bekommt halt auch Alu kaputt. Wenn ich die Magura verbaut habe, hab ich aber für mich das perfekte Pendlerrad (außer dass die Shimano Alfine von Anfang an Geräusche macht, Shimano ist halt Mist.)
    P. S. Wenn man die Reifen beim Abmontieren erstmal ordentlich vom Felgenhorn in die Mitte schiebt, kann man sie fast ohne Hilfsmittel von der Felge bekommen. Ein Flackern des Lichts liegt vermutlich an schlechtem Kontakt an den Ausfallenden der Gabel, hatte ich auch mal als ich die Achse nicht ordentlich angezogen hatte.

  2. Hallo, meinen Commuter fahre ich jetzt seit 5 Jahren, war denke ich einer der ersten (es gab damals nur eine Ausstattung). Die meisten Kritikpunkte kann ich nicht bestätigen. Das Rad ist bei mir jeden Tag Sommer und Winter 22km im Einsatz. Ich habe noch den ersten Riemen und sonst auch wenig Probleme mit Verschleiß. Am Gepäckträger habe ich eine Ortlieb Tasche, die manchmal bestimmt fast 10kg wiegt ohne dass das Schutzblech schleift. Was mich an dem Fahrrad wirklich stört sind die Shimano Bremsen. Eigentlich wollte ich das Fahrrad deswegen schon garnicht kaufen und jetzt bestätig es sich. Nachdem die Bremsen eigentlich nie wirklich gut waren hab ich seit Monaten nun kaum noch Bremswirkung. Nach Wechsel der Bremsbeläge und Reinigung ging es immer wieder für ein paar Tage. Habe festgestellt, dass beide Bremssättel Bremsflüssigkeit verlieren und die Bremsen dann nur noch quietschen. Jetzt habe ich getan was ich schon lange hätte tun sollen und mir Magura Bremsen bestellt. Allerdings ist der Einbau eine Herausforderung, so schön die im Rahmen verlegten Leitungen sind so schlecht sind sie zu tauschen. Dabei habe ich jetzt Schrauben, welche Fest sind und die Lenkerrohre lassen sich nicht mehr abbauen. Streusalz bekommt halt auch Alu kaputt. Wenn ich die Magura verbaut habe, hab ich aber für mich das perfekte Pendlerrad (außer dass die Shimano Alfine von Anfang an Geräusche macht, Shimano ist halt Mist.)

  3. Ich fahre den Commuter jetzt seit 3 Jahren und mein grundsätzliches Fazit ist ausgesprochen negativ.
    Die Schaltung ist unglaublich schlecht, d.h. beim Anfahren im 6. Gang und Höher tritt man mit nahezu 50% Wahrscheinlichkeit durch. Laut Shimano-zertifiziertem Fahrradhändler ist aber mit der Schaltung alles in Ordnung und sie ist richtig eingestellt. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage sei mal dahingestellt – ich bin mir relativ sicher, dass ich eine Montagsschaltung erwischt habe, was aber wieder ein negatives Licht auf die Qualitätssichereung bei Canyon wirft (falls es überhaupt eine gibt) – das muss man doch prüfen?! Schon bei Auslieferung war der Lack an mehreren Stellen abgeplatzt, was mich vermuten lässt, dass die jeden Müll ausliefern und hoffen dass die leute es behalten, weil sie sowieso keine Chance haben den Kundenservice zu erreichen. (Mailantworten dauern mehrere Wochen, Anrufen kann man komplett vergessen). Der Gepäckträger ist komplett nutzlos – die Schrauben konnte man schon bei Auslieferung nicht festziehen weil sie durchgedreht sind. Nach einem halben Jahr waren die Schrauben komplett verrostet.Grundsätzlich muss man leider sagen, man kann den Gepäckträger nicht benutzen, weil extrem instabil ist und nichteinmal eine Gepäckklammer bietet. Die Qualität der Lackierung lässt sehr zu wünschen übrig – inzwischen platzt überall der Lack ab und man sieht die Grundierung – leider bekommt man von Canyon die Lackfarbe nicht genannt, Lackstifte sind auch nicht erhältlich. Wenn man es also ordentlich haben will muss man ein paar Hundert Euro in einen Lackierer investieren. Für den Riemenantrieb gab es eine Rückrufaktion, so war ich gezwungen ca. eine Woche auf mein Rad zu verzichten. Der neu eingebaute Riemen hat dann nach einem halben Jahr (ca. 3800 km) einseitig seine Zähne verloren und dadurch das Kunststoffritzel (Kunststoff bei einem >2000€ Bike??) zerstört. Von diesen spezifischen Mängeln angesehen, stellt sich mir grundsätzlich die Frage, ob die Komponenten für einen Urban Commuter sinnvoll ausgewählt wurden, Scheibenbremsen und Riemenantrieb fangen im Stadtverkehr irgendwann an zu qietschen (Feinstaub/Schmutz) und man muss schon sehr viel Zeit ins Putzen investieren, wenn einen das stört. Meine eigentliche Intention war, den Wartungsaufwand zu minimieren und das ging ordentlich nach hinten los – mein halb so teures konventionelles Trackingbike steckt die jährlichen 7000 – 8.000 km wesentlich besser weg.
    Klar, das Design ist toll und wenn man im Sommer hipstermässig ein paar Kilometer durch die Stadt cruisen will, ist das Ding wahrscheinlich ok, aber von einem Pendlerbike bzw. Urban Commuter erwarte ich, dass ich bei minimalem Wartungsaufwand möglichst viele Kilometer fahren kann und hier schneidet das Canyon mit grossem Abstand schlechter ab, als alle Bikes, die ich bisher besessen habe. Lustigerweise war es aber das teuerste…

  4. Ich fahre jetzt (2018) das Commuter 7.0 den zweiten Sommer. Positiv: Design, Lichtanlage mit Nabendynamo, Riemenantrieb, Schutzbleche
    Negativ: Rad hat keinerlei Dämpfung (auch die Blattfedersattelstütze zeigt keine Wirkung), Wheelguard-Verschlüsse mau, meine Gepäcktaschen von Ortlieb fliegen bei der kleinsten Unebenheit entweder aus der Halterung oder – noch schlimmer und gefährlich – sie schlagen in die Speichen

  5. Canyon verkauft ja nun auch im amerikanischen Markt. Ich nehme an, die zuständige Abteilung besteht aus 1 Mechaniker, 10 Marketing Fuzzies und 100 Anwälten. Ich habe mit Canyon auch abgeschlossen. Sie machen teilweise wirklich innovative Sachen, aber der Service ist seit Jahren bewusst unterirdisch. Wenn man die Anwaltskosten in den Kauf einrechnet, ist das Rad keineswegs mehr preiswert. Ein guter lokaler Händler ist auch nicht einfach zu finden aber ich bin jetzt bei Cannondale und bleibe dort mit einem netten Händler.

  6. Commuter 6.0 – neues Bike erhalten und abgeholt, nach kurzem test schleifte das Hinterrad an dem Gepäckträger, da nur 1-2 mm Platz dort gelassen wurde. Eine von mir angedachte Seitentasche anzubringen verschlimmert nur die Situation. Weiter ist der Schrumpfschlauch für das licht so schlecht angebracht, das ca 4 cm mehr als nötig unter dem Tretlager herumhängen und nicht in das Rohr gesteckt werden können. Ich bringe das Rad zurück. Leider teurer Schrott!!!

  7. Hallo,

    auch ich lies mich blenden, von den perfekten Design.
    Meine Lichtanlage fing schon nach 2 Monaten an zu flackern.
    Nach einigen Telefon-, E-Mail-, und Chatkontakten bekam ich online ein Paketgutschein für den Rückversand zur Verfügung.
    Nachdem ich das Rad zurück gesendet habe, wurde es kompliziert.
    Die Techniker von Canyon riefen mich auf mein Handy an und fanden den Defekt nicht.
    Ich beschrieb Ihnen, wann der Defekt immer auftrat. Leider glaubten Sie mir nicht.
    Nach langen hin und her (2 Monate) schickten sie mir das Fahrrad repariert zurück.
    Ein halbes Jahr später, habe ich das selbe Problem. Das Licht funktioniert teilweise überhaupt nicht (bei Regen, Schnee) oder es flackert.
    Canyon bietet wieder einen Reparatur per Einsendung an.
    Ich brauche jedoch das Fahrrad und habe mir Stecklicht gekauft.
    Desweiteren habe ich mittlerweile ein Horror vor einen Platten.
    Denn die Mäntel lassen sich nicht nur schweer von den Felgen abmontieren, sondern sehr schwer auf die Felgen montieren.
    Ich habe mir schon mehrere Reifenheber und Schläuche zerstochen(weil ich, dann doch immer einen Schraubenzieher benutze).
    Morgen bringe ich das Fahrrad zu meinen Zweiradhändler in meiner Wohnortnähe und lasse mich beraten.
    Ich habe den Eindruck, das der Chatservices bei Canyon von Laien bedient wird.
    Ferner ist mir meine Zeit zu schade, mich mit solche Problemen zu beschäftigen.
    Ich kaufe nur noch vor Ort.

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